







Diese Woche habe ich wieder eine Rede auf Ungarisch gehalten, in einem Toastmasters-Rhetorikclub in Budapest. Lange hatte ich die Vorbereitung meiner nächsten Rede vor mir hergeschoben und mich damit selbst sabotiert. Doch irgendwann wurde mir klar: Eine Pause von einem Jahr und neun Monaten zwischen meinen Reden auf Ungarisch ist einfach viel zu lang. Also meldete ich mich neun Tage vor dem Auftritt freiwillig, meine nächste Übungsrede auf dem Niveau B2–C1 vorzubereiten.
Ich hatte meine Fähigkeiten so sehr überschätzt, dass mir gar nicht auffiel: Fast meine gesamte Rede bestand ausschließlich aus abstrakten Begriffen. Genau den Begriffen, von denen ich meinen Teilnehmern immer sage, dass sie sowohl schwer zu lernen als auch schwer aufzunehmen sind. Und vor allem fällt es den Zuhörern äußerst schwer, oft ist es sogar fast unmöglich, sie im Gedächtnis zu behalten.
Erst am Tag meines Auftritts begriff ich, warum ich meine eigene Rede einfach nicht auswendig lernen konnte. Ich hatte mindestens drei verschiedene Methoden zum Einprägen ausprobiert und enorm viel Mühe investiert; trotzdem gelang es mir nicht, die ganze Rede zu lernen. Ich musste auf Notizen zurückgreifen (was grundsätzlich erlaubt ist, aber ich wollte es wirklich nicht).
Doch es gab kein Zurück mehr. Ich hielt meine Rede. Zum Glück kamen sowohl das Thema als auch mein Vortrag beim ungarischen Publikum sehr gut an. Es störte die Zuhörer nicht, dass mir zwischendurch Wörter entfielen, ich Endungen verwechselte oder etwas falsch aussprach. Und an diesem Abend wurde ich sogar zum besten Redner gewählt!
Jetzt bereite ich meine nächste Rede vor. Es wird bereits meine dritte Rede auf Ungarisch sein. Diesmal habe ich jedoch beschlossen, mich so weit wie möglich von abstrakten Begriffen zu lösen und meine Rede mit Geschichten, Beispielen und lebendigen Bildern zu füllen. Denn so einen Stress möchte ich nicht noch einmal erleben.
Ich habe daraus eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Oder besser gesagt: Meine eigene Erfahrung hat mir noch einmal bestätigt, was ich anderen selbst beibringe. Wenn wir in Erinnerung bleiben wollen, wenn wir Informationen so vermitteln wollen, dass Menschen sie sich lange merken, müssen unsere Reden voller Geschichten sein.
Abstrakte Begriffe können beeindrucken. Sie können wirkungsvoll, gebildet und sogar wissenschaftlich klingen. Aber sie lassen sich äußerst schwer merken.