
Hätte mir vor zwanzig Jahren jemand gesagt, dass ich mit 51 Philosophiestudent an der Universität Oxford werden würde, hätte ich gelacht.
Es ist Dezember 2006.
Ich liege an einem Strand in Ägypten. Drei Tage lang habe ich gegessen, getrunken, eine Zigarette nach der anderen geraucht und bin im Roten Meer geschwommen. Ich dachte, ich sei zum Urlaubmachen hier. Tatsächlich begann eine Veränderung, die mein ganzes Leben prägen sollte.
Ich war gekommen, weil ich nach achtzehn anstrengenden Monaten beim Aufbau meines Ingenieurunternehmens eine Pause zu brauchen glaubte. Bis dahin hatte ich mein Studium mit Auszeichnung abgeschlossen, eine erfolgreiche Karriere in multinationalen Unternehmen aufgebaut und mein eigenes Ingenieurbüro gegründet.
Mein Ziel war es, das führende Ingenieurunternehmen des Landes aufzubauen. Meine Partner waren jedoch mit einigen lukrativen staatlichen Aufträgen zufrieden, während ich etwas viel Größeres schaffen wollte. Ich war erschöpft.
In meinem Hotelzimmer lag ein Buch von Jack Canfield. Ich hatte es fast zwei Jahre zuvor gekauft, weil etwas in mir immer wieder sagte: „Das musst du lesen.“ Mit mehr als 400 Seiten war es das umfangreichste Buch, das ich je auf Englisch zu lesen versucht hatte.
An diesem Morgen nahm ich es endlich zur Hand. In den folgenden Tagen gab es für mich nichts anderes. Immer wieder stellte mir das Buch dieselbe Frage:
„Mykola, was willst du wirklich mit deinem Leben anfangen?“
Zunächst glaubte ich, die Antwort längst zu kennen. Dann erkannte ich, dass ich sie nicht kannte.
Ich hatte alles erreicht, was mich meiner früheren Vorstellung nach erfolgreich machen sollte. Doch ich wollte nicht länger nur meinen eigenen Erfolg aufbauen. Ich wollte mein Leben der Aufgabe widmen, anderen Menschen zu ihrem Erfolg zu verhelfen.
In jener Woche an einem ägyptischen Strand traf ich eine Entscheidung, die beinahe absurd klang: Ich wollte der erste russischsprachige Motivationsredner werden.
Damals lieferte eine Google-Suche nach dem russischen Ausdruck für „Motivationsredner“ kein einziges Ergebnis. Es gab nicht einmal einen Namen für den Beruf, dem ich gerade mein Leben widmen wollte.
Es gab nur ein Problem: Ich wollte bei Jack Canfield in Arizona lernen, konnte mir die Ausbildung aber nicht leisten.
Also verkaufte ich mein Auto.
Rückblickend war das vielleicht bis heute die beste Investition meines Lebens.
Die folgenden Jahre waren voller Flughäfen, Konferenzsäle und Seminarräume auf der ganzen Welt. Ich gründete die Academy of True Success, sprach in mehr als vierzig Ländern und half in den nächsten zwei Jahrzehnten Menschen dabei, an sich zu glauben und anspruchsvolle Ziele zu erreichen.
Etwa zehn Jahre später trat leise eine andere Frage in mein Leben: nicht, wie Menschen erfolgreich werden, sondern was es wirklich bedeutet, ein zutiefst menschliches Leben zu führen.
Diese Frage führte mich zur Philosophie, zur Spiritualität und zur Erforschung des Bewusstseins. Schließlich brachte sie mich mit 51 an die Universität Oxford, wo ich Philosophiestudent wurde.
Heute steht eine zentrale Frage im Mittelpunkt meiner Forschung:
Was muss im Zeitalter der künstlichen Intelligenz dem Menschen allein eigen bleiben?
Die größten Wendepunkte meines Lebens begannen nie mit Gewissheit. Sie begannen mit einer Frage, die ich einfach nicht übergehen konnte.
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Ursprünglich veröffentlicht am 6. August 2026. Veranstaltungsdaten und Ankündigungen entsprechen der ursprünglichen Veröffentlichung.