Ein glücklicher Psychologe in einer vollgestellten Wohnung mit Möbeln und Geräten verschiedener Stile und Logos von KI-Tools

Neulich nahm ich an einem Webinar für Psychologen teil, in dem es darum ging, künstliche Intelligenz in der psychologischen Praxis einzusetzen. Während ich zuhörte, hatte ich ständig die Airbnb-Wohnung in Bosnien vor Augen, in der wir diesen Sommer übernachtet hatten, als wir uns die örtliche Pyramide ansehen wollten.

Diese Wohnung erinnerte mich sehr daran, wie die Menschen gerade nach allem greifen, was mit KI zu tun hat: mehr sammeln, mehr lernen. Noch ein Tool. Noch ein Webinar. Noch hundert Prompts — man weiß ja nie.

Der Besitzer schien aus Deutschland alles mitgebracht zu haben, was andere dort nicht mehr brauchten. Möbel in völlig unterschiedlichen Stilen. Ein paar Teller aus diesem Service, ein paar aus jenem. Haushaltsgeräte, die Platz wegnahmen, aber oft völlig nutzlos waren.

Offenbar wurde alles nach einem einzigen Prinzip gesammelt: Wenn man es mitnehmen kann, nimmt man es mit. Ob die Dinge zusammenpassen und ob man dazwischen angenehm leben kann, stand anscheinend nicht zur Debatte.

Viele Sachen. Wenig Wohnkomfort.

Und jetzt beobachte ich etwas Ähnliches im Umgang mit künstlicher Intelligenz.

ChatGPT, Gemini, Claude, Grok… Das muss man ausprobieren. Jenes muss man beherrschen. Noch ein Webinar buchen. Immer mehr, immer mehr.

Aber wofür genau?

Ohne eine Antwort auf diese Frage werden selbst hervorragende Tools zu solchen Möbelstücken. Jedes für sich ist vielleicht nützlich. Zusammen ergeben sie aber eine vollgestellte Wohnung, in der man sich kaum noch bewegen kann.

Nur dass wir jetzt unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit und unser Leben vollstellen.

Und womöglich merken wir es nicht einmal. Neues zu lernen ist spannend. Ein Webinar ansehen, ein Tool ausprobieren — es fühlt sich gut an, als wäre man vorangekommen. Doch die Aufgabe, die man eigentlich lösen musste, liegt noch immer unangetastet da.

Und nun bleibt dafür sogar noch weniger Zeit.

Ich nutze selbst KI und sehe darin einen enormen Wert. Aber die Zahl der Tools wächst ständig, während unser Tag genauso viele Stunden hat wie zuvor.

Deshalb gelten die guten alten Grundlagen weiterhin: Klar wissen, wohin man will. Eine Strategie entwickeln. Sie in konkrete Schritte übersetzen. Die passenden Tools für diese Schritte auswählen. Und regelmäßig handeln.

Sonst kann man sein Leben endlos mit neuen Möglichkeiten einrichten — ohne jemals anzufangen, sie zu nutzen.

Wissen Sie genau, was Sie in fünf Jahren erreicht haben wollen? Haben Sie eine klare Vorstellung davon, wie Sie dorthin gelangen? Haben Sie einen Plan für die nächsten 90 Tage, nach dem Sie Ihre KI-Tools auswählen?

Oder versuchen Sie fieberhaft, mit allen mitzuhalten, alles auszuprobieren und alles zu beherrschen — und spüren dabei statt der Zufriedenheit über Wachstum und Fortschritt immer mehr Erschöpfung und Leere?